Karten. Karten überall. Karten umgeben uns im Alltag, so unscheinbar sie auch erscheinen mögen. Ob es nun eine Landkarte der Umgebung, eine Visitenkarte mit Kontaktdaten oder die Werbekarte eines Gebrauchtwagenhändlers - hängend unter dem Scheibenwischer - ist, jeder hat mal eine Karte in der Hand. Eintrittskarten, Postkarten, Speisekarten, Kreditkarten, Spielkarten. Es nimmt kein Ende, ja selbst Personalausweis und Führerschein sind mittlerweile Karten.
Und all die Furore um Karten hat seinen Grund. Sie sind hervorragende Vermittler von Informationen. Kurz, knapp und bündig müssen diese sein, denn sehr viel Platz bleibt da nicht. Aber zum Glück hat ja so eine Karte zwei Seiten. Während die eine Seite die gröbsten Informationen komprimiert zusammen fasst, offenbart die zweite Seite meist mehr Details.

„Entweder hat man gute Karten, oder man versteht es zu bluffen”
Lance Armstrong ;)

Was hat das mit Webdesign zu tun?

Den Vorteil von Karten machen sich nun immer mehr Webdesigner zu Nutze. 'Card Based Design' nennt sich dieser Trend. Man kennt es inzwischen von den sozialen Netzwerken. Facebooks Feed ist eingeteilt in Karten. Jede Karte bietet dabei die Möglichkeit, den jeweiligen Eintrag zu liken, zu kommentieren oder zu teilen. Tweets erscheinen bei Twitter auch in Kärtchen. Auf einen Klick hin expandieren diese und schaffen so Platz für die Kommentarsektion. Und auch Google hat mit 'Google Now' das Karten-Layout für sich entdeckt.

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Twitters Kacheln

Die Vorteile des Card Based Designs liegen auf der Hand. Kurze Texte und optisch einladende Kacheln verschaffen eine bessere Übersicht. Und was einen interessiert, kann angeklickt werden, um tiefer ins Geschehen einzudringen. Twitter ist ein gutes Beispiel.

Warum Card Based Design immer beliebter wird

Ähnlich wie die physikalische Karte, kann die virtuelle Karte aufgefaltet oder umgedreht werden, um weiteren Inhalt präsentieren zu können. Dabei ist ein animiertes Aufklappen oder Umdrehen nicht zwingend notwendig. Oft zu sehen ist jedoch ein Ausfahren der Karte. Auf diese Art und Weise kann man leicht die Aufmerksamkeit des Benutzers auf sich ziehen. Lange ausführliche Texte wirken dagegen weniger attraktiv.

Des Weiteren fügen sich die Karten ideal in das Responsive Design ein, sprich sie sind universell anwendbar für verschiedene Endgeräte (Smartphones, Tablets oder Rechner). In einer Zeit, in der 1,64 Milliarden Menschen ein Smartphone besitzen, wird dies immer wichtiger. Die Zahl der Nutzer, die mobil surfen, steigt stetig an; dabei sind die für den Rechner optimierten Webseiten auf den Mobilgeräten alles andere als benutzerfreundlich und eine Herausforderung für den plumpen Daumen. Da kommen die großformatigen Kacheln wie gerufen.

Außerdem auffällig ist der personenbezogene Inhalt. Wie ihre Vorbilder auch, lassen sich die virtuellen Karten filtern und sortieren. Dies bietet dem Benutzer die Möglichkeit, sich ein personalisiertes Umfeld zu schaffen. Klassische themenspezifische Webseiten verlieren so an Wert, da Plattformen wie Twitter und Co. den Benutzer verschiedenste Themen kompakt und bequem auf einer Seite betrachten lassen. Die New York Times als Beispiel muss sich mehr Gedanken darum machen, wie ihre Nachrichten bei Twitter präsentiert werden, als auf ihrer eigenen Website, da man über Twitter eine größere Reichweite erlangt.

Die Kehrseite der Karte

Dennoch bringt das Card Based Design auch seine Nachteile mit sich. Updates und Bug Fixes erschweren Programmierern die Arbeit. Während eine Liste aus Elementen auf einer Seite leicht zu überarbeiten ist, kann das Bearbeiten von Seiten mit Karten zu einer echten Herausforderung werden. Dementsprechend müssen sich Programmierer den neuen Bedingungen anpassen.

Neben dem Programmierer kann es auch den Benutzer treffen. Die gezielte Suche nach Informationen im Netz kann mit dem Card Based Design schnell frustrierend werden. Das Scrollen durch Karten auf der Suche nach etwas Bestimmten ist langwierig und mühselig. Webseiten mit einfachem Layout bieten da zusammen mit einer Suchfunktion eine komfortablere Lösung.

Außerdem bietet es sich nicht für alle Formate an, diese in einem Kartenlayout zu präsentieren. Lange wissenschaftliche Beiträge oder auch komplexe Vorgänge lassen sich viel leichter erklären, wenn sie den Leser an die Hand nehmen und durch den Text führen.

Ein gutes Blatt

Ob man nun zum Card Based Design greift oder nicht, hängt vollkommen vom Inhalt der Seite ab. Blog-Beiträge oder Nachrichten lassen sich so hervorragend auf Webseiten verlinken. Umso interessanter wird das Kartenlayout, wenn man an den mobilen Benutzer denkt und diesen erreichen möchte. Zeitgemäß ist es allemal und wird so schnell nicht von unseren Monitoren verschwinden.