Stundenlang scrollt man auf Facebook den Feed entlang und schaut was die Freunde so machen. Twitter ist kein bisschen anders. Das Scrollen nimmt kein Ende. Und auch auf 9gag scrollt man von einem humorvollen Bild zum anderen. Aber was hat das ganze Scrollen auf sich? Das Infinite-Scrolling, also endloses Scrollen, nimmt im Internet stetig zu. So genannte One Page Websites profitierten von diesem Trend und dem gehen wir nun auf den Grund.

One Page Websites erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Der Aufbau einer gewöhnlichen Website besteht aus mehreren verschachtelten Seiten, die zueinander führen. Diese sucht man bei One Page Websites vergeblich. Lediglich eine Seite präsentiert den kompletten Inhalt, eingeteilt in verschiedene Abschnitte und stiehlt damit allen anderen die Show.
Das Scrollen kommt nicht zu kurz. Denn einen anderen Weg ans Ende der Seite gibt es nicht. Das Verwunderliche; der Benutzer nimmt das Scrollen gerne auf sich. Viele befürchten bei One Page Websites, dass der Benutzer sich nur den oberen Teil durchliest, den mittleren überfliegt und das Ende ganz auslässt. Doch es kommt ganz anders. Das Verhalten des Benutzers hat sich über die Jahre verändert. Scrollen gehört inzwischen zum Alltag. Facebook, Twitter und Co. spielen hierbei eine große Rolle. Die Infinite-Scroll-Sites machten den Benutzer dem Scrolling gegenüber gefügig. Dieses Verhalten machen sich die One Page Websites zu Nutze.

Scrolling versus Clicking

Doch was macht die One Page Websites so interessant und das Scrollen attraktiver als das altbewährte Klicken?
Zunächst einmal geht es um den Aufwand. Das Scrollen geht leicht von der Hand, schließlich geht es ja nur in zwei Richtungen. Das Klicken erscheint dagegen schon aufwendiger. John Herman verdeutlichte dies einst in einem Tweet:


“If there’s one lesson to take from every major change in how people browse the internet over the last five years… it’s that users hate to click and don’t mind scrolling… Clicking is a choice, like jumping; scrolling is inevitable, like falling.”
JOHN HERMAN

Der Aufwand beim Klicken ist verglichen zum Scrollen einfach zu groß. Erst muss der Benutzer den gewünschten Link finden, lesen, die Maus über ihn fahren, anklicken und dann auch noch die Ladezeit der Seite in Kauf nehmen. Nicht gerade komfortabel, wenn man einfach scrollen könnte. One Page Websites stellen dabei eine elegante Lösung dar. Hauptmerkmal der One Page Websites sind deren Länge. Der Weg vom Anfang zum Ende einer Seite ist wie eine abenteuerliche Reise. Es wird eine kleine Geschichte erzählt. Storytelling ist das Stichwort. Dieses Storytelling ist ideal geeignet um Firmen, Agenturen, Produkte und anderes zu präsentieren. Der Benutzer wird an die Hand genommen und geleitet. Klicken würde dem ganzen nur im Wege stehen. Die bereits erwähnten Ladezeiten würden den Lesefluss und die Konzentration des Lesers hemmen. Außerdem ist das Klicken eines Links eine freiwillige Handlung des Benutzers. Wenn dies zu aufwändig gestaltet ist, verlässt er die Seite. Scrollen hingegen ist einfach und hält den Benutzer auf der Seite.

Wer ein Produkt in all seinen Facetten vorstellen möchte, ist mit der One Page Website bestens bedient. Besitzt der Benutzer die Möglichkeit, Links anzuklicken, läuft man Gefahr, dass bestimmte Links nicht angeklickt werden und der Inhalt dahinter ungesehen bleibt. Dem wirkt man mit dem Scrolling entgegen.

Reicht eine einzige Seite wirklich aus?

Doch nicht nur Vorteile bringt das One Page Design mit sich. Klicken bleibt weiterhin ein fester Bestandteil des Netzes. So ermöglichen verschachtelte Websites Einblick in das Verhalten des Benutzers anhand von Klicks. Auf diese Art und Weise können Analysen erarbeitet werden, die für den Betreiber einer Website von Interesse sein könnten. One Page Websites zählen lediglich einen Klick. Sehr viel lässt sich daraus nicht interpretieren.
Auch im Interesse des Betreibers ist die Präsenz in den Ergebnissen von Suchmaschinen. Diese wird durch möglichst viele Seiten gefördert. Bei One Page Websites erscheint jedoch lediglich ein Ergebnis, da Unterseiten nicht vorhanden sind.

Benutzer, die auf der Suche nach gezielten Informationen sind, fühlen sich auf einer klassisch strukturierten Website wohler als auf einer im One Page Design. Links führen hier zum gewünschten Ziel. Zu erwähnen ist, dass One Page Websites durchaus Ankerpunkte verwenden, um zu einem bestimmten Punkt der Seite zu springen. Dies ist allerdings nicht immer der Fall.
Ein weiterer Faktor, der für konventionell aufgebaute Websites spricht, sind große Mengen. Bei diesen Mengen handelt es sich sowohl um Inhalts- als auch um Datenmengen. One Page Websites mit zu viel Inhalt können für den Benutzer eine Informationsflut darstellen und abschreckend wirken. Das perfekte Maß muss hierfür gefunden werden. Des Weiteren muss auf das Volumen an Daten auf einer solchen Seite geachtet werden. Zu große Datenmengen können zu einer langen Ladezeit der Website führen. In solchen Fällen greift man lieber zur mehrseitigen Variante. Lange Texte und große Datenmengen lassen sich hier leichter handhaben und auf verschiedene Seiten verteilen.
Finaler Punkt ist die Flexibilität. Das Bearbeiten von Onepagern stellt sowohl Webdesigner als auch Programmierer vor eine Herausforderung. Jedes Element ist voneinander abhängig und baut aufeinander auf. Seiten, die immer wieder überarbeitet werden, sind hierfür nicht geeignet, da das Einfügen, Austauschen und Entfernen von Elementen einen großen Arbeitsaufwand bedeuten würde.

Chic, aber nicht jedermanns Sache

One Page Websites sind ein hervorragendes Mittel zur Präsentation. Storytelling fesselt den Benutzer und verleitet ihn dazu, bis zum Ende zu scrollen. Sie sind einfacher zu bedienen und stehen im Kontrast zur klassischen Website. Jedoch sind sie nicht für jeden geeignet. Lange Texte wirken hier eher abschreckend und wer seine Seite immer wieder bearbeitet, wird damit seine Mühe haben. Betreiber von Internet-Shops oder Blogs sollten weiterhin zur mehrseitigen Version greifen. Wer aber auf ein Erlebnis für den Benutzer wert legt, kann auf das One Page Design setzen. One Page Websites wirken im Vergleich zur klassischen Website frisch und modern, verschiedenste Animationen beim Scrollen können dafür sorgen, dass der Benutzer den Besuch der Website nicht so schnell vergisst. One Page Design ist in Mode - und so schnell wird sich das nicht ändern.